Die „Kleinen”
Der HPLC-Tipp 06/2007 von Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken
Sollte sich abzeichnen, dass der Sommer anno 2007 noch heißer wird als der Frühling, werde ich meine Bekannten aus Griechenland für eine Weile nach Deutschland einladen: Sie sollen sich hier an heiße Temperaturen gewöhnen, bevor sie dann zu Hause Urlaub machen können...
Wie auch immer, gönnen wir uns in den Monaten Juni bis August passend zu der Jahreszeit leichtbekömmliche, kleine HPLC-Tipps.
Kontaminierte Fritten – was bewirken sie?
„Hohen Druck!” kommt aus allem Ihrem Munde. Natürlich richtig, aber nicht nur. Was noch?
- Doppelpeaks, wobei der zweite „Peak” bzw. Aufsetzer sich oft unterhalb der Peakmitte ansetzt, Ergebnis: oft ein tailender „Fuß”.
- An der verschmutzten Frittenoberfläche kann durch Adhäsionskräfte ein Teil der(s) Analyte(n) irreversibel adsorbiert werden, Ergebnis: kleinere Peakfläche.
- Auch Luftblasen können dort leicht „hängen” bleiben, Ergebnis: häufige(r) Luftprobleme.
- Durch diese Blockade/Verstopfung erhöht sich lokal der Druck, damit der an der Pumpe eingestellte Fluss tatsächlich weiterhin fließen kann. Dadurch ergibt sich eine etwas höhere Temperatur, Ergebnis: geringe Abnahme der Retentionszeit.
Spülen mit Methanol
Eine RP-Phase wird üblicher- und vernünftigerweise nach Benutzung mit einem organischen Lösemittel gespült, um restliche organische Verbindungen zu entfernen. Klar. Wenn die Säule allerdings „nur” mit Acetonitril gespült wird, besteht die Gefahr, dass bestimmte polare Substanzen nicht heruntergespült werden. Und zwar solche, die mit den Silanolgruppen nicht über Ionenaustauschwechselwirkungen sondern via Wasserstoffbrückenbindungen interagieren. Jene Analyte sind eher mit Methanol zu entfernen. Das bedeutet in der Praxis, dass auch bei Nicht-Anwendung von Puffern das Spülen mit etwas polareren Lösemitteln als Acetonitril sinnvoll/notwendig sein könnte. Übrigens: Bei der Trennung solcher Substanzen ist die Peaksymmetrie in methanolhaltigen Eluenten besser als in acetonitrilhaltigen.
Methanol in Alubehältern? (Hinweis von Alexander Haag, TU München)
Wenn Methanol in Alubehälter gelagert wird, besteht die Gefahr, dass mehr oder weniger ultrafeinkörniger Al(OH)3-Niederschlag entsteht. Sie können sich vorstellen, dass keine einzige Pumpe sich darüber freut...
Ergänzung zum März-Tipp
Im April-Tipp habe ich von den Erfahrungen mit dem Corona-Detektor berichtet. U.a. davon, dass kleine Moleküle schwer zu detektieren sind. Nun, hat sich die vertreibende Firma mit dem Hinweis gemeldet, dies sei ohne Probleme möglich, als Beleg dafür wurden Infos zu drei Firmen-Applikationen mit der Detektion von kleinen Molekülen (Zucker, Aminosäuren) zugesandt. Meine Frage, ob bekannt sei, dass auch „normale” Anwender Analyte mit kleinem Molekulargewicht ebenfalls ohne Probleme routinemäßig detektieren, blieb leider unbeantwortet. Da ich mit solchen Applikationen keinerlei persönliche Erfahrung habe, bringe ich gerne diesen Hinweis an dieser Stelle - allerdings ohne jegliche Kommentierung und Bewertung.