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Empfehlungen in Geräte-Handbüchern – seien Sie etwas vorsichtig!

Der HPLC-Tipp 09/2008 von Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken

Der Fall

Handbücher von Gerätehersteller sind meist sehr nützlich – zwar manchmal viel zu umfangreich und von Softwarespezialisten statt von Analytikern verfasst, aber dennoch: Manches wird erst nach deren Lektüre wirklich klar. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Einige Empfehlungen sind irreführend oder einfach falsch. Welche Beispiele könnte man diesbezüglich anführen?

Die Lösung

Dergleichen gibt es einiges, hier möchte ich beispielhaft auf zwei Empfehlungen bzgl. Einstellparameter eingehen:

  1. In manch einem Manual steht, dass ein Peak mit 20-25 Datenpunkten ausreichend darstellbar sei. Dies stimmt jedoch nicht für schnelle Peaks. Bei einer Peakbreite von z. B. 9 s im Falle eines schnell eluierenden Peaks ergibt sich als Datenrateaufnahme (Sample Rate, SR): 20 Datenpunkte/9 s = ca. 2,2 Hz bzw. 25 Datenpunkte/9 s = ca. 2,8 Hz, also sollte man laut Hersteller-Empfehlung eine Sample Rate von 2-3 Hz wählen. Abb. 1 zeigt ein Chromatogramm bei einer SR von 2 Hz, Abb. 2 bei einer SR von 10 Hz. Im ersten Fall wird die Verunreinigung bei der aufsteigenden Flanke des ersten Peaks überhaupt nicht erkannt, im zweiten schon. Im vorliegenden Fall also wären 90 (90 Datenpunkte/9 s = 10 Hz) oder wenigstens 45 Datenpunkte (45 Datenpunkte/9 s = 5 Hz) vonnöten.
Abb. 1 Chromatogramm mit 2 Hz aufgenommen
Abb. 2 Das gleiche Chromatogramm wie in Abb. 1 allerdings mit 10 Hz aufgenommen
  1. Desweiteren fand ich als empfohlenen Wert für die Zeitkonstante (je nach Hersteller auf Englisch: rise time, time constant, filter constant filter time, response time) 0,5-0,6 oder gar 1 s. Abb. 3 zeigt ein Chromatogramm bei 0,6 s und Abb. 4 das gleiche Chromatogramm bei 0,05 s. Die zwei Peaks je vor und nach dem ersten Hauptpeak sind in Abb. 3 einfach nicht da!
Abb. 3 Chromatogramm bei einer Zeitkonstante von 0,6 s
Abb. 4 Das gleiche Chromatogramm wie in Abb. 3 allerdings bei einer Zeitkonstante von 0,05 s

Solche Empfehlungen stammen aus einer Zeit, in der die Chromatogramme recht lang und die Peaks relativ breit waren und spät eluierten (Säulenlänge 25 cm, Fluß 1ml/min, Retentioszeiten über 15-20 min). Sollten Sie mit solchen Methoden arbeiten, können Sie für Ihre Arbeit getrost die Brisanz der Einstellparameter „vergessen”.

Das Fazit

Gerade bei schnellen Chromatogrammen ist es ratsam, Default-Werte und empfohlene Einstell-/Integrationsparameter kritisch zu hinterfragen.