Wie kann die Bodenzahl erhöht werden?
Der HPLC-Tipp 04/2009 von Dr. Stavros Kromidas, Saarbrücken
Der Fall
In einem der nächsten HPLC-Tipps werden wir uns über folgenden Fakt unterhalten: Eine Erhöhung der Selektivität stellt mit Abstand die effektivste Maßnahme dar, um die Auflösung zu verbessern. Folglich sollte diesem Schritt als erstem die ganze Aufmerksamkeit zu Beginn einer Methodenoptimierung geschenkt werden. Wenn jedoch eine Verbesserung der Selektivität mit einem vertretbaren Aufwand nicht zu erzielen ist, wäre die Erhöhung der Bodenzahl der zweitbeste Weg. Welche Möglichkeiten gibt es nun, dies zu erreichen und welche Maßnahme „bringt“ wie viel?
Die Lösung
Zunächst folgendes vorweg: Eine Verringerung des Innendurchmessers führt zu
einer Erniedrigung der relativen Massenempfindlichkeit – und des
Lösungsmitteleverbrauchs -, der Innendurchmesser hat allerdings nichts mit der
Auflösung zu tun. Da er jedoch immer wieder fälschlicherweise mit der Auflösung in
Verbindung gebracht wird, habe ich auch den Innendurchmesser als Parameter in
die Tabelle mit aufgenommen. Damit haben Sie ein „rundes“ Bild der
Zusammenhänge.
In Abb. 1 sind die Möglichkeiten zusammengefasst, die zu einer Erhöhung der Bodenzahl führen.
Abb.1 Möglichkeiten zur Erhöhung der Bodenzahl
Symbol-Erklärung:
N: Bodenzahl
R: Auflösung („Resolution“)
S/N: Peak/Rausch-Verhältnis („Signal to Noise“), Maß für die Nachweisgrenze
tR: Retentionszeit
„LM-Verbr.“: Lösungsmittelverbrauch
L: Länge
dp: Partikeldurchmesser („Diameter Particel)
T: Temperatur
ID: Innendurchmesser
„x“: „Erhöhung bzw. Erniedrigung um Faktor „x“
• Verringerung des Flusses: Unterhalb ca. 5 µm geringer, unterhalb
3 µm kaum nennenswerter Effekt
• Verringerung des Totvolumens: Je kleiner das Säulenvolumen und
die Korngröße um so wichtiger - ja manchmal unabdingbar
• Darüber hinaus: Injektionsvolumen verringern, Probenlösung
verdünnen, Einstellparameter der Trennung anpassen
Wie in einigen der jüngst erschienenen HPLC-Tipps demonstriert, gibt es eine Reihe
von einfachen, kostenlosen oder quasi „kostenlosen“ Maßnahmen, die zu einer
merklichen Verbesserung der Peakform führen können:
• Einstellparameter : Z.B. Zeitkonstante, Datenaufnahmerate
• „Optimierte“ Injektion: Evtl. Probenlösungsmittel bzw. pH-Wert der
Probenlösung ändern, Probe verdünnen, Injektionsvolumen verringern
• Totvolumen der Apparatur: Kapillarinnendurchmesser und vor allem
Zellvolumen verringern (Details, s. HPLC-Tipp im Mai)
Erhöhung der Säulenlänge um Faktor 2 führt...
... zu einer Erhöhung der Bodenzahl um Faktor 2, das führt wiederum zu einer
Verbesserung der Auflösung um Faktor 1,4 bei einer allerdings um Faktor 1,4
höheren Nachweisgrenze, einer doppelten Retentionszeit, einem doppelten
Lösungsmittelverbrauch und einem doppelten Druck
Erniedrigung der Korngröße um Faktor 2 führt...
... zu einer Erhöhung der Bodenzahl um Faktor 2 und damit Verbesserung der
Auflösung um Faktor 1,4 bei einer um Faktor 1,4 niedrigeren Nachweisgrenze, einem
um Faktor 4 höheren Druck und konstantem Lösungsmittelverbrauch
Erhöhung der Säulenlänge um Faktor 2 und gleichzeitig Erniedrigung der
Korngröße um Faktor 2 führen...
... zu einer Erhöhung der Bodenzahl um Faktor 4 und damit Verbesserung der
Auflösung um Faktor 2 bei einer um Faktor 2 längeren Retentionszeit, einer konstant
gebliebenen Nachweisgrenze, einem um Faktor 8 höheren Druck und einem um
Faktor 2 höheren Lösungsmittelverbrauch
Erhöhung der Temperatur um Faktor 2
Bemerkung: Genaue Faktoren für die jeweilige Änderung sind schwer vorhersehbar,
jene hängt u.a. stark vom Mechanismus ab. Halten wir dennoch wie folgt fest:
Erhöhung der Bodenzahl (ob letzten Endes die Auflösung zu- oder abnimmt hängt
vom Mechanismus ab), Abnahme der Retentionszeit und des
Lösungsmittelverbrauchs bei einer Abnahme des Druckes um Faktor 2.
Bemerkungen:
1. Das oben aufgeführte gilt für isokratische Trennungen, beim Gradienten sind die
Verhältnisse etwas komplizierter (1).
2. Die Praktikabilität einer Maßnahme sollte selbstverständlich ebenso stark im
Fokus liegen - neben dem eigentlichen Ziel, der Verbesserung der Auflösung. So
ist beispielsweise der Einsatz von (sehr) kleinen Teilchen nur in dafür
ausgelegten Apparaturen möglich (Druck, Totvolumen!) – sofern man die
Trennleistung der kleinen Teilchen möglichst ohne Verluste nutzen möchte. Oder
aber, man optimiert die Apparatur selbst, das ist mit einem gewissen Aufwand
schon möglich. Desweiteren bedarf es im Falle von „schwierigen“ Matrices unter
Umständen einer aufwendige(re)n Probenvorbereitung.
Das Fazit
Es stehen uns eine Reihe von Möglichkeiten zur Erhöhung der Bodenzahl zur
Verfügung. Es liegt auf der Hand, dass die einfachste – „richtige“ Einstellparameter
vorausgesetzt – die optimale Injektion und die eleganteste die Verringerung der
Korngröße darstellen. Das vorhandene Equipment und die Natur der Probe/Matrix
entscheiden letzten Endes im Wesentlichen über die Praktikabilität und die
Erfolgschancen einer Maßnahme. Ich hoffe, Abb 1. und die Kommentare dazu sind
für Sie eine kleine Entscheidungshilfe, wenn es um Wege zu einer Erhöhung der
Bodenzahl geht.
(1) H.-J. Kuss, S. Kromidas, unveröffentlichte Ergebnisse
Download des HPLC-Tipps als pdf-File