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Trends in der HPLC

Vom 26.-30 Juni 2005 fand in Stockholm, Schweden, das „29. International Symposium on High Performance Liquid Phase Separations and Related Techniques „ statt. Dr. Stavros Kromidas, der das Symposium besuchte, zeigt im nachfolgenden Bericht Schwerpunkte und Trends auf.

2…3 Worte zu Beginn

Das wichtigste zuerst: Nach meiner Ansicht war dieses Symposium aus wissenschaftlicher Sicht eines der besten dieser Reihe. Zunächst einige Rekord-verdächtige Zahlen aus Stockholm: Man registrierte ca. 800 Besucher, zusammen mit Mitarbeitern von ausstellenden Firmen (ca. 80 Aussteller) und den Vortragenden zählte man insgesamt ca. 1060 Teilnehmer, die Zahl der Poster betrug ca. 600. USA, Schweden, Spanien, Deutschland und Japan waren die am stärksten vertretenden Länder. Der Frauenanteil bzgl. aktiver Beteiligung lag im Verhältnis zu älteren Symposien bemerkenswert hoch: Der Anteil der Poster-Autorinnen lag bei 37%, 22% der Vortragenden waren ebenfalls Frauen. Es soll ferner ein dickes Lob an das wissenschaftliche Komittee ausgesprochen werden: Es sorgte dafür, dass 19% der Vorträge von Jungwissenschaftler gehalten wurde. Jene nutzten ihre Chance mit Bravour aus – ich habe mich bei keinem einzigen dieser Vorträge gelangweilt. Das ganze Umfeld kann man kurz wie folgt beschreiben: Sehr lockere, ungezwungene Atmosphäre, natürlicher, direkter Umgang (z. B. kein Titel an den Namensschilder), hervorragendes wissenschaftliches Niveau, wirklich neue, frische Ideen, bzw. das Aufgreifen von alten, bereits länger ausgesprochene Hinweise und Zusammenhänge (zwar spät aber immerhin…). Manches Preis/Leistungsverhältnis am Rande, so z. B. beim Dinner, war gelinde ausgedruckt mehr als ärgerlich, dafür haben die Schweden bei der Eröffnung durch ihre volkloristischen Darbietungen dem Symposium eine sehr liebenswürdige Note verliehen – aber das sind bei Gott Nebensächlichkeiten, kommen wir nun zum Wesentlichen.

Schwerpunktthemen, Applikationen, Trends

Vorbemerkung

An solchen Tagungen werden einem immer wieder die unterschiedlichen Facetten der HPLC bewusst: Auf der einen Seite das wissenschaftlich erreichbare und auch erreichte und auf der anderen Seite der Alltag in einem „real life“ HPLC-Labor. Sogar ich, der in beiden Welten halbwegs zu Hause ist, stolpere immer wieder über diesen, scheinbar immer größer werdenden Abstand. Dazu drei typische Beispiele:

„Dauerbrenner“ sind nach wie vor, Proteomics, Metabon(l)omics, CE/CEC, chirale Trennungen, Drugs und Biomarkers.

Wir erleben z. Z. des Weiteren dank der LC-MS(MS)-Kopplung, der Miniaturisierung und der 2D-Chromatographie ein Wiedererwachen der Umweltanalytik, weil wir mit Hilfe der drei genannten Tools in Selektivitäts-/Sensitivitätsbereiche vordringen können, die noch vor kurzem undenkbar waren. Folgende Themen wurden sehr kontrovers und ausführlich behandelt:

Neue stationäre Phasen wurden diesmal eher in Poster denn in Vorträgen vorgestellt (Ausnahme die Einführung von XBridge von Waters). Der präparativen HPLC, den Detektoren, der Lebensmittelchemie und der Chemometrie (sie ist im Kommen, „Chromatometrics“) wurde ebenso Aufmerksamkeit gewidmet aber nicht so stark wie den erstgenannten Themen. LC-MS(MS) hat den Charme des Neuen verloren und wird bereits auf einer breiten Basis als eine ganz „normale“, sehr leistungsfähige Technik genutzt: Fast ein Viertel der Poster hatte direkt oder indirekt LC-MS als Thema. Es folgen jetzt Details zu den Themen „ die Trennung“ und „schnelle Trennungen“.

Die Trennung

Es scheint so zu sein, dass man sich wieder der Trennung selbst, dem eigentlich Ziel der HPLC also, widmet. Man erlebt z.Z, wenn man will, so etwas wie „back to the roots“. Das ist erfreulich und passt zu dem Gesamtgeist des Symposiums: Man ist erstens etwas bescheidener geworden und ist nun bereit, sich mit vordergründlich „profanen“ Themen zu befassen wie „Methanol oder Acetonitril?“ „Temperaturerhöhung als Optimierungstool“ oder „Wie kann ich wirklich die Peakreinheit überprüfen?“. Zweitens werden alte Gewohnheiten und Denkschemata (üblicher Systemeignungstest, „viel hilft viel“ - also viele ähnlich erzeugte chromatographische Daten erhöhen die Sicherheit der Aussage -, „lückenlose“ Dokumentation sichert Qualität usw.) rigoros hinterfragt. Nachfolgend stichwortartig einige interessante Punkte aus diversen Vorträgen:

UPLC, Fast-LC oder Monolithen?

Die Zukunft der HPLC ist zweifelsohne eine Zukunft der schnellen Trennungen. Wie lange es dauert, bis die Zukunft tatsächlich zu Gegenwart wird, weiß natürlich im Moment niemand, dass sie aber so aussehen wird, steht für mich ziemlich fest. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die HPLC in der heutigen Form wird lange bestehen können (obwohl ich zugeben muss, dass ich bereits in den 80er Jahren so gedacht habe – und ich lag falsch…). Die möglichen Wege dorthin heißen UPLC (hohe Drücke, 1,7 µm Material), Fast-LC (klassisches HPLC-Gerät, evtl. mit kleinen Hardware/Software-Modifikationen und 1,8...2 µm Material) und Monolithen, vorzugsweise in Kapillaren. In Stockholm wurde heftig diskutiert, welches Konzept nun das „beste“ sei. Halten wir fest, dass alle drei Alternativen offensichtlich gut funktionieren, jedenfalls waren die Berichte von Anwendern durchweg positiv – Erfahrungen , die mit den meinigen übereinstimmen. Zur Entscheidungsfindung sollte der Anwender vielmehr sehr genau prüfen, welches der angebotenen Konzepte zu seinen eigenen, konkreten Bedürfnissen passt. Einige der Fragen, mit denen man sich im Vorfeld einer Entscheidung auseinandersetzen sollte, wären beispielsweise folgende:

Hardware

Eine Premiere gab es nicht, vielmehr wurden neuere Produkte ausgestellt, die in jüngster Zeit eingeführt wurden bzw. Neuentwicklungen angekündigt, die auf der Analytica 2006 vorgestellt werden sollen. Stichwortartig einige Beispiele dazu:

Aufgreifen von alten Ideen, neue Denkweise

Wie bereits oben erwähnt, war dies ein Symposium in dem vieles hinterfragt bzw. in dem die Realisierung von „alten“ Ideen vorgestellt wurde. Obwohl manch ein Hinweis teilweise sehr lange zurück liegt, ist als äußerst positiv zu bewerten, dass in letzter Zeit tatsächlich etwas passiert. Einige Beispiele dazu:

Halasz wies 1975 auf die Notwendigkeit der Herstellung von entsprechenden Pumpen, um die Trennleistung von kleinen Teilchen auszunutzen (Realisierung von UPLC/Fast-LC in 2004,), Unger sprach bereits 1976 von den Vorteilen der Hybrid-Materialien, die effiziente Trennungen im Alkalischen ermöglichen sollen (erste kommerzielle Hybridmaterialien erst Ende der 1990er-Jahre), Trennung von Aminosäuren und Aminen an Kieselgel bereits in den 1980er-Jahre (Neue, Kromidas), nun Renessance der HILIC ab Anfang der 2000er-Jahre, schließlich sprachen einige wenige gegen den Trend Anfang der 1990-er Jahre von „Qualität“ statt von „Qualitätssicherung“ und dass es sinnvoll ist, Qualität nach „vorne“ zu verlagern statt hinterher „Qualität“ zu messen.

Folgende neue/wiederendeckte Ideen und Trends finde ich erwähnenswert:

Nicht zum ersten Mal kommen solche Initiativen und Gedanken aus Ecken, die manch einer – mangels Information! – gar nicht erwartet: Nämlich von „der“ Behörde, so z. B. von der FDA. Statt Druck auf Reglementierung (die nicht viel brachte) soll ein sanfter Druck geübt werden, um Systeme zur Gewährleistung von Qualität bereits in einem frühen Stadium zu implementieren („Modern Quality Management Techniques“, „Real Time Quality Assurance“). Ein Begriff, der in den nächsten Jahren zumindest in der Pharma immer häufiger anzutreffen sein dürfte lautet: PAT (Process Analytical Technology). Die Analytik soll mit ihren Möglichkeiten den gesamten Prozess begleiten, dazu bedarf es nicht unbedingt hoch-komplizierten Techniken. PH-Wert-, Temperatur-, Feuchtigkeits-, Partikelgrößemessungen usw. an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt offenbaren die kritischen Punkte eines Prozesses. Die Devise lautet, Minimierung des Risikos durch ein frühes Prüfen und evtl. Eingreifen.

Zusammenfassung

2006 findet dieses Symposium in San Francisco, USA, 2007 in Ghent, Belgium, statt.

Stavros Kromidas, Saarbrücken